Woohoo! Endlich! hier geht’s los mit dem eigentlichen Text! Worüber schreibt man eine Bachelorarbeit im Design? Kooperation ja oder nein? Und was ist eigentlich »mein Ding«? Let’s connect the dots!

Rückblende

November 2023. Ich studiere seit gut vier Jahren. Bei der Einschreibung war schon klar, dass ich die Thesis im Winter schreiben würde, weil ich im Sommer keine Zeit dazu habe. Es hätte eigentlich der Winter 2022 sein sollen, das siebte Semester. Aber bei der Einschreibung wusste ja auch noch niemand, dass irgendwann Corona kommen und alle Pläne zerhauen würde.* Also los.

Über Art und Inhalt der Creative Thesis (was Praktisches, yay!) denke ich schon lange nach. Wie lange? Keine Ahnung. Eine der ersten Ideen war die Auferstehung von Eckweiler. Eine Wüstung hier im Soonwald, von der nur noch die Kirche steht. Mitten im Nirgendwo. Ein meditativer Ort. Man könnte ihn wunderbar (dezent) beschildern und mit AR-Elementen arbeiten, um zu zeigen, wie es dort früher aussah, bevor die Einwohner umgesiedelt wurden.

Die Idee ist spätestens dieses Jahr geplatzt: Im Frühjahr wurden vom Naturpark Soonwald-Nahe neue Natur- und Landschaftsführer ausgebildet. Ich war dabei und habe erlebt, wie schwerfällig die bürokratischen Mühlen mahlen. Nicht die besten Voraussetzungen für eine gelungene Kooperation zur Bachelorarbeit.
Mein Chef auf dem Campingplatz, auf dem ich wohne und arbeite, hätte mich und meine Thesis zeitweise gerne für sein Tinyhausprojekt eingespannt. Recherche, Konzeption, Corporate Design … Und da ging mir auf, dass ich auf keinen Fall irgendeine Kooperation – ob nun gelungen oder nicht – möchte. Nicht noch mehr Druck von außen. Keine Erwartungen erfüllen, die nicht meine (oder wenigstens die meiner Betreuer**) sind. Diese Arbeit soll meine sein.

Und zwei weitere Dinge sind mir dieses Jahr klar geworden: Erstens, dass ich etwas gestalten möchte, was ich hinterher auch bis zum bitteren Ende durchziehen kann. Ich hatte im Studium dieses Jahr noch drei coole App-Projekte zu erledigen. Unendlich viel Zeit investiert, um dann mit einem Klickdummy in der Hand »Fertig!« zu rufen. Ein Klickdummy ist nicht fertig, ein Klickdummy ist ein Klickdummy. Und zweitens, dass die Thesis etwas sein soll, das voll und ganz mein Ding ist.

* Und als ich das vor über einem Jahr geschrieben habe, wusste auch noch niemand, dass sich die Thesis über ein Jahr hinziehen würde.

** Stimmt, keine Gendersternchen hier. Generisches Maskulinum, ich spreche damit prinzipiell alle Menschen an.

Hier geht’s zum Video, in dem ich dir diese Episode vorlese.

Aber was ist das denn? Mein Ding … Mein Leben besteht aus zig Puzzleteilen. Aber nichts davon ist für sich genommen das, wofür ich voll und ganz brenne. Die Einzelteile sind mir zu wenig.

Auf der Fahrt in den Urlaub dieses Jahr habe ich David Epsteins fantastisches Buch Range. Why Generalists Triumph in a Specialized World. gehört. Ein Mutmacher. Vielleicht ist man mit vielen verschiedenen Interessen gar kein hoffnungsloser Freak. Vielleicht ist das, was den anderen als unentschlossenes Rumgeeiere erscheint, völlig okay. Vielleicht, nur vielleicht, ist es sogar etwas Positives? Oder, wie Steve Jobs in seiner Stanford-Rede sagte: »You can’t connect the dots looking forward, you can only connect them looking backwards.« Er appellierte: »Keep looking. Don’t settle.« und natürlich »Stay hungry. Stay foolish.« Thanks, Steve! Ich versuche, mich daran zu halten. (Stanford, 08.03.2008, 5:07; 8:52; 14:28)*** **** 

Und dann traf ich mich mit einem Kollegen, um eine Kräuterführung vorzubereiten. Keine große Sache. Wir sprachen nebenbei darüber, wie man die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, dass die Teilnehmer sich die gefundenen Pflanzen auch merken. Er erzählte, dass sie in der Wildnispädagogik-Ausbildung die Pflanzen zeichnen. Bäm. Aus der Idee ist mein Prüfungsthema für die Naturführer-Zertifizierung entstanden. Und dabei wurde mir klar, was »mein Ding« ist. Kreativität.

Echt jetzt? Kann es SO einfach sein?

Darum dreht sich mein Leben immer und immer wieder. Deshalb studiere ich wahrscheinlich Design. Und ich setze Kreativität in meinen Coachings ein. Im Designstudium lernt man letztlich nicht nur Gestalten, Adobe Illustrator und Co.; man lernt ja vor allem, wie ein Designer zu denken. Double Diamond-Modell. Variantenbildung. Spekulative Designpraxis. Design Thinking sowieso. Das designerische Denken und die Erkenntnis, dass man es auf viel mehr als die visuelle Gestaltung anwenden kann, ist das, was mich fasziniert.

Ich habe aber auch gemerkt, beruflich und privat, wie schlecht es um die kreativen Fähigkeiten, allein schon um die Vorstellungskraft, vieler Menschen bestellt ist.

*** Ich schaue mir das Video gerade wieder an, um die Quelle korrekt anzugeben. Mit diesen 15 Minuten ist eigentlich alles gesagt, was man über das Leben wissen muss. Meisterwerk.

**** Und, ja, das war in einem hellen Moment die Inspiration für den Titel.
So, jetzt Schluss mit Fußnoten.

HEUREKA?

Und weiß aus eigener Erfahrung und von vielen anderen, dass Kreativität auch als ziemliche Bürde empfunden werden kann. Ja, es gibt Menschen, die sich wünschen, weniger Ideen zu haben.*

Und, hey, braucht es nicht eigentlich einen Coach-Slash-Designer um diesen Themenkomplex zu bearbeiten und Menschen in diesen Prozessen zu unterstützen? Warte, mir fällt da jemand ein, der ins Profil passt …

Schön. Aber lässt sich daraus eine Creative Thesis stricken? Ist das nicht zu wenig? Oder zu viel? Und wie lässt sich das gestalterisch mit meinen Fähigkeiten und Schwerpunkten und Vorstellungen umsetzen?

Für meine Angehende-Naturführer-Kollegen hatte ich Anfang September einen Personal Branding-Workshop gehalten und dafür ein kleines Activity Book erstellt. Mit Fragen zur Selbstreflexion, Platz zum Brainstormen und etwas Input. Daraus ist die Thesis-Idee eines Activity Book für »mehr Kreativität« (was immer das heißen soll) entstanden. Es folgten endlose Abwandlungen des Activity Book-Themas. Zwischendurch dachte ich, dass auch eine Arbeit im Bereich BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) spannend sein könnte. Noch mehr Brainstormings. Noch mehr Activity Books. Bis ich mich irgendwann fragte, ob mir denn außer einem dämlichen Activity Book nichts Gescheiteres einfällt. Welches Medium wäre denn für »mehr Kreativität« besser geeignet als gebundene Seiten?

Karten? Karten!

Karten kann man ziehen, legen, kombinieren, spielen, immer wieder neu verwenden. Man arbeitet sie nicht linear durch, sondern kann viel freier mit ihnen interagieren! Immer wieder. Ohne Anfang und Ende. Das entspricht der Natur der Kreativität doch viel eher als ein Buch. Oder? Und … War da nicht mal was? Wolltest du nicht irgendwann mal … oha …

* Mehr Fußnoten!!
Na ja. Heute würde ich das alles ganz anders erklären und begründen.

Ein Tarot gestalten?

Die Idee ist lange her. Lange vor dem Designstudium. In meinen Teenie-Jahren hatte ich zum ersten Mal Tarotkarten in der Hand. Damals hab ich viele gemütliche Sonntage bei meiner Cousine verbracht. Und irgendwann packte sie ihr Aleister Crowley Thoth-Tarot aus. Suchend und allem Mysteriösen und Okkulten zugetan, war ich sofort begeistert. Die Illustrationen (von Lady Frieda Harris, wie ich später herausfand) waren mit das Schönste, was ich je gesehen hatte. Ich durfte mir die Karten ausleihen und bestellte kurz darauf mein eigenes Deck mit dem zugehörigen Buch – in der Hoffnung, aus den 78 Karten irgendwie schlau zu werden.

Fehlanzeige.

So richtig hat es nicht funktioniert, viel zu kompliziert. Irgendwann gerieten die Karten in Vergessenheit, in irgendeiner Krise hab ich sie wieder hervorgeholt, wieder unten im Schrank verstaut, wieder gefunden, noch einen Stapel Tarotbücher bestellt, täglich Karten gezogen, alles doch wieder weggelegt und so weiter. Über Jahre. Jahrzehnte.
Vor rund drei Jahren schickte mir die Schamanin von nebenan dann ein Foto von wunderschönen Tarotkarten mit Naturmotiven. Ein Rudel Wölfe, Pilze im Wald … Natur ist meine Tankstelle und ich bestellte mir das Deck. The Witches’ Wisdom Tarot von Phyllis Curott, Artwork by Danielle Barlow. Im Begleitbuch wird zu jeder Karte auch noch ein passendes magisches Ritual vorgeschlagen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich all meine anderen Decks und Tarotbücher schon verkauft, weil sie mir entweder zu oberflächlich oder zu wirr und abgedreht waren. Ja ja, es ist ein schmaler Grat.

Etwas später saß ich online in einem Business-Workshop und als Goodie hatte die Leiterin eine Teilnehmerin, hauptberuflich Tarotlegerin und Tarotlehrerin, eingespannt, um uns die Karten zu legen. Soweit man es über Zoom erkennen konnte, waren die Karten wunderschön: das Light Seer’s Tarot von Chris-Anne. Also zog auch das bei mir ein.

Na ja, irgendwann sind auch Witches’ Wisdom- und Light Seer’s Tarot wieder irgendwo hinten unten im Bücherregal verschwunden, wurden wieder hervorgeholt … und so weiter und so fort. Aber irgendwo in dieser Langzeit-On-Off-Beziehung hatte ich mal den Geistesblitz, dass ich wahnsinnig gerne ein Tarot-Deck gestalten würde. Irgendwann mal. Nicht, weil mich das Mystische und Okkulte heute noch anfixen würde, sondern weil mich die Systematik des Tarot fasziniert. Und je mehr ich darüber gelernt habe, desto größer ist die Faszination geworden. Ich mag Systematiken.

TU’S NICHT!

Tadaa. Jetzt sind wir in der Doku angekommen. Die Themenwahl ist gefallen, beim nächsten Mal erkläre ich total langweilig, wie ein Tarot aufgebaut ist.

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