Okay … Nach der letzten Episode zur Prokrasti-Recherche ist es jetzt definitiv Zeit für ein wenig Prokrasti-Recherche. Ich durchstöbere Pinterest, versuche, meinen »Stil« zu finden – und drücke mich vor Skizzen und Moodboard …

Weiter unten findest du den Link zu meinem originalen, unzensierten Thesis Inspo Pinterest Board mit allem, was ich für das Kreativ-Tarot gepinnt habe. 😉

Machen, Alter!

Das letzte Kapitel, vielleicht sogar die letzten zwei, werde ich in der Überarbeitung der Doku streichen, denke ich. Kurzfassung: Ich habe Creative Confidence gelesen/überflogen und mit Begeisterung den ersten Teil von Creativity verschlungen. Ich liebe es. Aber es bringt mir jetzt akut für meine Thesis nicht so viel, es lenkt mich eher ab. Im Hinter-grund kann ich weiterlesen und Informationen aufsaugen und verarbeiten. Aber um mit der Arbeit weiterzukommen, wurde mir dann gestern Abend nach dem Lesemarathon klar, hilft nur eins: Stifte raus und zeichnen. (Edit: Nein, ich lass sie drin. ALLE aufgesaugten Kreativitäts-Infos fließen in die Arbeit hier ein, das ist WICHTIG.)

Der Bücher- und Kartenstapel ist nun also einem Stapel aus Klemmbrett, Papier, Buntstiften und Karteikarten gewichen. Zuerst wollte ich mich mit dem Layout und der Systematik beschäftigen: Wie kann ich die Position und Zugehörigkeit der Karte visuell abbilden, wenn mir die Pik-Sieben-Markierung* in den Ecken nicht reicht? Wie kann ich die Karten visuell à la Trojanisches Pferd verbinden? Bunte Linien, die durchlaufen? Symbole von geometrischen Formen und Elementen im Anschnitt? Farbverläufe? Linienanzahlen? Ich habe lange drüber gebrütet und nichts davon hat mich ansatzweise überzeugt.

Sind die Markierungen in den Ecken nicht vielleicht doch genug? Aber die alleine werfen schon gestalterische Fragen auf. Ich würde sie gerne entsprechend der Elemente einfärben, statt auf Rot und Schwarz zurückzugreifen, das sieht zwar cool aus, passt aber meiner Meinung nach nicht zum Deck. Das wäre also in etwa Rot-Orange für Kreuz/Treff, Blau-Grün für Herz, Hellblau(?) für Pik und Braun-Grün für Karo. Farben, die man auf einem farbigen Hintergrund eher schlecht wahrnehmen kann. Der Hintergrund sollte dann relativ weiß (oder schwarz) sein. Gut, denn zumindest bei den Zahlenkarten will ich nicht vollflächig farbig gestalten.

* Index. Das Ding heißt Index.

VIDEO COMING SOON!

Aber wie dann? Mit weißen Rändern rundherum (in denen dann die Markierungen sitzen würden) tue ich mich schwer. Ich kann die Karte auch weiß lassen und meine Illustrationen nur in die Mitte setzen; also ganz ohne Hintergrund arbeiten oder meinetwegen Aquarellkleckse als Hintergrund nehmen, die eben nur die Mitte abdecken. Ich mag die Idee, theoretisch, habe aber Angst, dass ich damit meine Message nicht klar genug rüberkriege, weil ich nicht genug Attribute, Krempel, abbilden kann. Das ist ja im Grunde, wie eine Statue anfertigen. Das eine, zusammenhängende Ding muss die ganze Aussage beinhalten. Ich bin nicht Michelangelo.

Die Hofkarten sollten, finde ich, nach der gleichen Logik gestaltet sein. Also auch hier eine Illustration, die mindestens die obere linke Ecke ausspart und Weißraum zulässt. Die Trumpfkarten habe ich mir die ganze Zeit vollflächig und relativ laut vorgestellt. Das passt zur surrealen Welt und den merkwürdigen Gestalten. Ihre römische Ziffer (die will ich beibehalten) kann dann in Weiß in der Ecke oben links auf der Grafik platziert werden, das sollte gehen.

Ob der Kartentitel, also Der Harlekin oder Hingabe auf den Karten stehen soll, kann ich noch nicht sagen. Man könnte ihn eventuell unten mittig platzieren oder vielleicht auch am rechten Kartenrand entlang. Er kann weiß oder schwarz sein, muss nicht die Element-Farbe aufgreifen. Wenn ich es so aufschreibe, sehe ich es schon klarer. Was nach wie vor nicht funktionieren will, ist die Verbindung der Karten. Vielleicht muss ich mir das aus dem Kopf schlagen.

PROKRASTINATION

Zwischenzeitlich habe ich auf Pinterest nach Illustrationsstilen und -Inspirationen gesucht. Und nach Kartendesign natürlich. Bei der Suche nach Tarotkarten wurde ich gar nicht fündig; entweder die Stile gefallen mir nicht oder sie verschlimmern mein Kartenlayoutdilemma. Oder beides. Und sie sind zu … tarotartig.

Ich bin bei der Inspirations- und Stilsuche irgendwann dazu übergegangen, nicht die Dinge rauszusuchen, die mir richtig, richtig gut gefallen, sondern im ersten Schritt relativ wahllos alles zu pinnen oder zu screenshotten, was mich irgendwie anspricht. Egal, ob ich für Uniprojekte recherchiere oder für die Gartengestaltung. Erst mal völlig unreflektiert alles sammeln. Pinterest ist da eigentlich nicht mein Lieblingstool, da sieht, sobald man zwei Sachen angeklickt hat, alles gleich und vor allem overtrendy aus. Aber man kann pinnen und sieht dann direkt die ganze Pinnwand. Und das ist wichtig, denn im nächsten Schritt wird kuratiert. Alles raus, was dann doch nicht ganz so gut gefällt, und bei dem, was übrig geblieben ist, den gemeinsamen Nenner finden. Und etwas Eigenes draus machen.

Die Recherche hat mir schon mal dabei geholfen, etwas mehr Vertrauen in die Lösung des Layoutproblems zu kriegen. Andere schaffen es auch. Ohne Rahmen und Ränder und Bordüren. Bei einem laufen die Grafiken einfach so aus, dass die obere linke Ecke annähernd frei ist, bei einem anderen wurden Standardkarten mit beiden Markierungen als Grundlage genommen, auf einer Ebene darüber liegt die Grafik. Die obere linke Ecke ist immer ausreichend frei, die untere rechte manchmal. Vom Stil her ist es eine Art Vintage-Collage, nicht mein Ding, aber als Layout-Inspiration taugt es.

Quasi ausgeschlossen habe ich die doppelte, gespiegelte Darstellung, wie sie bei normalen Hofkarten üblich ist*. Ich hatte es zwischendurch mal angedacht, aber ich finde, es trägt nichts Sinnvolles zur Message bei. Und der Bezug zu richtigen Spielkarten wäre mit der Verwendung des französischen Blatts schon mehr als deutlich genug.

Bleibt die Frage, was genau die Karten zeigen sollen, und in welchem Stil. Und mich plagt schon eine ganze Weile die Frage, ob auf allen Karten Menschen, Figuren, sein müssen. Das wäre konsequent, aber erstens will ich mich noch davor drücken, 78 Figuren zu zeichnen, und zweitens möchte ich mir noch offen halten, auch anderes zu zeichnen. Ich glaube, dass es der Deutung förderlich sein kann, wenn nicht alle Karten voller Menschen sind.

Die Großen Arkana kriegen alle ihre absurden, aber letztlich doch relativ menschlichen Geschöpfe. Eine Idee ist, dass diese den Betrachter alle direkt anschauen und so quasi zum Hinterfragen und Reflektieren auffordern. Eine andere ist, dass sie jeweils das Geschöpf und den Narren in der Begegnung zeigen, also quasi eine Illustration der Story. Letztlich wird es wahrscheinlich wegen der Machbarkeit auf einen Mix hinauslaufen. Den Harlekin kann ich mir super vorstellen, wie er schelmisch aus der Karte herausgrinst. Die Königin, die dem Narren hilft, nicht so wirklich. Da müsste ich die Situation zeigen, wie sie sich fürsorglich zum Narren hinunterbeugt. Und vielleicht ist der Mix bei aller Liebe zu System und Konsequenz auch völlig in Ordnung.

Die Hofkarten werden definitiv Menschen, die man bei einer Tätigkeit beobachtet. Oder mindestens mit ihren Attributen betrachtet. Sie sollen, denke ich, den Betrachter nicht anschauen. Visuell sollen sie allerdings die Tradition der Zahlkarten fortführen und nicht in die Absurdität und Lautstärke der Großen Arkana abdriften. Der Betrachter soll sich im besten Fall real und konkret in ihnen und ihrem Tun erkennen.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich, dass die Zahlkarten auch ohne Menschen auskommen. Wir haben bis hierhin immerhin schon 22 + 16 = 38 Figuren. Wenn ich es schaffe, etwas so Komplexes wie das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten mit fünf Kiwis abzubilden, why not?** Und da wären dann wieder die Anzahlen. Ich hätte gerne, dass die Zahl der Karte sich irgendwie als Anzahl von irgendwas im Motiv wiederfindet. Aber ich will mich noch nicht festlegen, in welcher Form. Vielleicht darf auch das je nach Motiv variieren. Mal sind es vielleicht abstrahierte Karos, mal geometrische Formen, mal Vögel und mal Sterne am Himmel. Ich denke, der Mix könnte gutgehen, solange nichts konkurriert, also zum Beispiel vier Fische auf den Feuerkarten. Entweder es passt zu Element und Symbol, oder es muss völlig neutral sein. Kiwis zum Beispiel.

* Doppelbilder. Es heißt Doppelbilder.

** Das will ich sehen.

Einblick in mein Pinterest-Inspo-Board gefällig?

 

Hier sind sehr frühe und sehr späte Pins, die Originalseiten findest du ganz unten in diesem Artikel bei »Doku-Seiten«

 

Uuund: Ich habe mich entschlossen, mein originales Pinterest Inspo-Board für die Thesis öffentlich zu machen. Neugierig? Hier entlang!

Angst

Pinterest. Ein Schwarzes Loch. Nachdem mir aufgegangen war, dass ich Personen zeichnen werden muss (wer hätt’s gedacht?), hab ich Pinterest weiter gequält, um hier mal Stilklarheit zu kriegen. Und um mich weiter vor den Skizzen zu drücken, wahrscheinlich.

Die meisten Figuren, die ich gefunden habe, sehen in etwa aus, als wären sie einem Disneyfilm oder einem Anime entsprungen. Sowohl stilistisch als auch in der Tatsache, dass es alles junge Frauen (oder eher noch Mädchen) mit anorektischen Tendenzen sind. Meine Figuren sollen nicht zu einfach und naiv aussehen, aber ich muss auch einkalkulieren, dass ich erstens nicht der große Zeichen-Pro bin und zweitens eine klare Zeitvorgabe habe. Das schränkt die Detailtreue schon mal ein ganzes Stück weit ein. Ich will auch keine Disney-Prinzessinnen zeichnen und auch keine Strichmännchen. Aber eben auch keine hyperrealistischen Porträts, für die mir Zeit und Fähigkeiten fehlen. Und die Figuren müssen irgendwie zum ganzen Rest passen. Und das ist jetzt der Punkt, bei dem ich mich ernsthaft frage, auf was zur Hölle ich mich da eigentlich eingelassen habe.

Aber … auf Pinterest kam mir immer wieder ein Name unter: Gretel Lusky. Sie malt ziemlich coole Meerjungfrauen, die, warum auch immer, in gefühlt allen meinen Suchen aufgetaucht sind. Ich habe sie auf Instagram gestalkt und gegoogelt. Hilfe, die ist erst dreißig und illustriert für Marvel und DC Comics (Lusky, 2023 b). Viele ihrer Arbeiten gefallen mir gut, manches gefällt mir auch nicht. Insgesamt ist es für mich persönlich zu kreischend, zu poppig. Aber sie hat ihren Stil und schon das alleine ist etwas, das ich bewundere. Im Visuellen ist mir das bisher nämlich noch nicht mal ansatzweise gelungen.

Ich werde mich, denke ich, für meine ersten Versuche an ihren Sachen orientieren. So ein Orientierungsstil hilft mir. Er ist ein Ausgangspunkt. Während man sich den konkreten Stil und die Inhalte eines anderen anschaut und vielleicht sogar versucht, einfach etwas abzumalen, kann man jede Menge lernen. Und man stellt auch präziser fest, was einem an dem Werk gefällt oder nicht – und vielleicht auch warum. Mir fällt es leichter, von so einem konkreten Ausgangspunkt aus zu arbeiten und mich von dort aus zu entwickeln, als erst ein Moodboard zu entwickeln und von dort aus konkret zu werden.

Ich stehe mit Moodboards auch nach vier Jahren Studium noch völlig auf Kriegsfuß. Auch privat und in anderen Projekten hab ich mich dran versucht und nie was Gescheites zustande gebracht. Meiner Meinung nach sehen meine Moodboards schon grässlich aus und drücken nie das aus, was ich ausdrücken wollte – und das, was hinterher rauskommt, hat dann weder mit dem Moodboard noch mit meiner ursprünglichen Vorstellung viel zu tun. Ich weiß nicht, woran es liegt. Ich habe es wirklich, wirklich probiert. Aber schon bei dem Gedanken, für das Deck ein Moodboard anzufertigen, kriege ich Schweißausbrüche.

Das war dann jetzt wohl die erste große Enthüllung: Ich kann eigentlich gar nicht gut zeichnen (und malen schon gar nicht und erst recht keine Figuren …) und ich hasse Moodboards. Wo soll das noch hinführen?

Lass mich doch mal wissen, wie du zu Moodboards stehst – und ob du auf dem Pinterest-Board vielleicht das ein oder andere erkannt hast, was dann später tatsächlich in den fertigen Karten auftaucht. 😉

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