Heute gibt es eine kurze und verständliche Einführung ins Tarot. Wir schauen uns an, wie das Tarot aufgebaut ist, aus welchen Karten es besteht, und wie es normalerweise verwendet wird.

Denn in der letzten Episode ging es ja um den Geistesblitz, dass ich als Bachelorarbeit ein Tarot für »mehr Kreativität« gestalten wollte …

Die Systematik des Tarot

Ein Tarotdeck besteht aus 78 Karten. Sie teilen sich in 22 Große Arkana oder (etwas weniger esoterisch) Trumpfkarten und 56 Kleine Arkana oder Farbkarten auf. Letztere sind in 4 Farben mit je 14 Karten unterteilt.

Die vier Farben (Stäbe, Kelche, Schwerter, Münzen/Scheiben) sind nichts anderes als Kreuz, Herz, Pik und Karo im französischen Blatt stinknormaler Kartenspiele. Auch die Aufteilung der 14 Karten ist fast gleich, sie sind von 1 (Ass) bis 10 durchnummeriert, dann folgen die vier Hofkarten Page, Ritter, Königin und König (die je nach Deck auch mal andere Namen und Geschlechter haben können).

Lässt man die Großen Arkana weg und entfernt den Ritter, hat man 52 Karten, mit denen man prima Rommé oder Poker spielen kann. Legt man nun noch alle Zweier bis Sechser beiseite, hat man ein Skat-Deck mit 32 Karten.

Die Zahlkarten der Kleinen Arkana spiegeln alltäglichere Lebensthemen und Begebenheiten wider. Die Hofkarten gelten als schwieriger zu deuten, sie können für Personen stehen, können aber auch einfach etwas personifizieren oder auch die entsprechenden Anteile in einem selbst aufzeigen. Dazu später mehr. Folgt man der Kartenreihenfolge vom Ass bis zur 10, ergibt sich je Farbe eine Entwicklung. Das Ass ist ein Anfang, die 2 eine Dualität, die 3 ein erster Schritt, die 4 Stabilität, in der 5 zeigt sich ein Konflikt, in der 6 wird er (teilweise) gelöst, die 7 ist fast ein Happy End, in der 8 ist ein Plateau erreicht oder es ändert sich noch mal etwas Gravierendes, die 9 ist der Höhepunkt und die 10 endlich der Schluss. Sehr, sehr grob. Sicher teilt nicht jedes Buch und jeder Guru diese Ansicht. Ich habe sie im Lauf der Jahre in verschiedenen Varianten an verschiedenen Orten gelesen und finde sie weitestgehend stimmig.*

Die Farben sind natürlich mehr als nur Farben. Jede ist, ebenso wie zum Beispiel die Sternzeichen, einem Element zugeordnet und steht für einen bestimmten Lebensbereich oder eine Qualität. Die Stäbe (Feuer) stehen für Wille, für Kreativität, für Energie. Bei den Kelchen (Wasser) geht es um die Gefühlswelt, auch das Unbewusste, und natürlich um alles Romantische. Schwerter (Luft) sind dem Geist, dem Denken, dem Rationalen zugeordnet. Und die Scheiben oder Münzen (Erde) befassen sich mit Materiellem, was in den Deutungen sowohl den Körper mit allen Gesundheitsthemen als auch die Finanzen einschließt. Man kann natürlich noch mehr hineindeuten.

* Fand ich zu dem Zeitpunkt wirklich.

Hier geht’s zur Hörbuch-Episode auf Youtube, im Video kannst du die Karten und den Aufbau des Tarot sehen.

Die Großen Arkana (Arkanum heißt übrigens Geheimnis) behandeln große Lebensthemen, das Schicksal, den Lebensweg. Sie sind von 0 bis XXI durchnummeriert und erzählen wiederum (mehr oder weniger) eine Geschichte. Die 0 ist der Narr, der frei und naiv in die Welt hinausgeht. Wieder ein Anfang. Die I ist der Magier, der Meister aller vier Elemente/Farben. Dann folgt die Hohepriesterin (II), der unter anderem die Intuition zugeordnet ist. III und IV sind Herrscherin und Herrscher, die oft als Mutter und Vater des Narren betrachtet werden. Die V ist der Hierophant oder Hohepriester, der zum Beispiel für Institutionen (Kirche, Schule, Ausbildung) steht. Die VI sind die Liebenden, die Dualität. Die VII ist der Wagen, jetzt nimmt das Ganze Fahrt auf! Dann kommt mit der VIII die Kraft, die man für dieses Unterfangen braucht. IX, der Eremit, signalisiert Rückzug und Einkehr. Mit der X folgt das Schicksalsrad und der erste Kreis schließt sich.

Mit der XI, Gerechtigkeit, beginnt ein neuer Zyklus. XII, der Gehängte, zeigt Stillstand oder Perspektivenwechsel. Der Tod mit der überstrapazierten Nummer XIII bringt Veränderung und etwas Neues. Die Mäßigkeit, XIV, warnt vor Extremen und Überschwang. Der Teufel, die XV, zeigt Fesseln durch ungesunde Abhängigkeiten an. Bei der XVI, dem Turm, fliegt alles auseinander, totaler Tiefpunkt, bevor mit dem Stern, der XVII, Wunder plötzlich möglich werden. Der Mond (XVIII) weißt auf Verborgenes und Unbewusstes hin, mit dem Strahlen der Sonne, der XIX, wird garantiert alles gut. Die XX, das (Jüngste) Gericht fordert zur eigenen Auferstehung auf, mit der Welt (XXI) ist alles siegreich in Balance. Ende gut, alles gut.

Auch den Großen Arkana kann man Elemente, Planeten und alles Mögliche zuordnen, man kann die Numerologie auch auf verschiedene Weisen weitertreiben. Man muss es aber nicht.

Tja, und irgendwann hatte ich halt den Wunsch gefasst, aus diesen Systemen selbst etwas Cooles, Stimmiges zu machen. So entstand die Idee, für die Creative Thesis ein Kartendeck zu erarbeiten, das die Struktur des Tarot verwendet und die Grundidee dieses Activity Book für »mehr Kreativität« umsetzt. Nur besser, als es ein Buch jemals könnte. Und ohne Mystik und Wahrsagerei.

TAROTGEFASEL

Tarot 1-0-1

Neben Skat- und Rommé-Abenden kann man mit Tarotkarten vor allem verschiedene Legungen bestreiten. Die einfachste ist das Ziehen einer Karte. Entweder als inspirierende Tageskarte oder als Antwort auf eine Frage, zum Beispiel: »Worauf sollte ich mich heute fokussieren?«. Man zieht den Narren und kann glücklich und naiv in den Tag starten. Wird es etwas komplexer, kann man mehrere Karten ziehen und sie in ein vorgegebenes Legesystem bringen. Es gibt sehr bekannte Legesysteme und in jedem Tarotbuch, das ich jemals aufgeschlagen habe, haben die Autoren sich noch weitere, eigene Legesysteme ausgedacht. Man kann aber auch einfach eine Frage stellen, drei oder vier Karten ziehen und sie im Kontext interpretieren. Tarot ist keine Ingenieurwissenschaft.

Normalerweise wird verdeckt gezogen, man sieht also die Rückseite der Karten und zieht zufällig. Am besten natürlich, indem man die Karten mit rechts in der Nähe des Herzens hält und mit links auswählt. Intuition, Universum und eine Prise Magie fördern dann die Antwort zutage. Oder auch nicht. Ich hab ja schon wirklich viele Karten gezogen. Oft haben sie Sinn ergeben, manchmal nicht. Viel wichtiger als rechts oder links oder magische Rituale scheint mir die persönliche Interpretation und Resonanz. Wenn ich gerade ein romantisches Anliegen habe, kommt mir der schmucke Page der Kelche natürlich gelegen und ich verstehe, was mir die Karten sagen wollen. Bei anderen Karten wäre es weniger eindeutig. Ich müsste weiter um die Ecke denken, meine Vorstellungskraft bemühen, Ideen zulassen. Kreativ sein?

Tarotkarten geben (meiner persönlichen Meinung nach) keine Antworten, sie liefern nur Impulse. Anstöße zum Nachdenken, zum Reflektieren. Und das reicht – denn, das kennen wir alle, manchmal braucht es nur den richtigen Impuls zum richtigen Zeitpunkt, damit ein lang gehegter Knoten platzt. Den Impuls kann man in Gesprächen ebenso finden wie beim Lesen eines guten Buchs oder sonntags abends beim Tatort. Die Karten sind meiner Meinung nach ein fantastisches Medium, um den Prozess bewusster anzugehen.

………. Das hier zu Beginn sind alles nur aus dem Kopf zusammengetragene Weisheiten, nix Zitiertes, nur mein persönliches Verständnis zu dem Zeitpunkt.

Beginnende völlige Überforderung

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass man Tarotkarten richtig- und falsch herum deuten kann. Manche machen’s, manche nicht. Ich nicht. Zieht/Legt man hier eine Karte und sie erscheint falsch herum, also so, dass der Boden oben und der Himmel unten ist, wird sie auch gegenteilig interpretiert. Der Narr auf dem Kopf könnte dann bedeuten, dass die Situation mehr Ernst und Reife erfordert. Das scheint mir recht kompliziert und im Kontext mehrerer Karten in einem Legesystem mit fixen Bedeutungen noch komplizierter. Und für mich trägt jede Karte ohnehin auch ihr Gegenteil in sich. Deshalb habe ich die Karten, wie viele andere auch, immer nur richtig herum interpretiert. Hieraus ergibt sich für die Gestaltung aber ein interessantes Detail: Damit man die Möglichkeit hat, Karten richtig und falsch herum zu verwenden, müssen die Rückseiten der Karten nicht nur identisch sein (sonst kann man ja nicht verdeckt ziehen), sie sollten auch symmetrisch sein; sonst sehe ich ja vorher, wo oben und unten ist. Spannend – vor allem, da die Crowley-Karten auf der Rückseite nicht symmetrisch sind.

Nicht weniger spannend ist das Medium Kartendeck an sich. Nicht nur wegen der Vielfalt in der Anwendung, sondern auch wegen des Formats. Je nachdem, welche Kartengröße man letztlich wählt, hat man für die Gestaltung etwa die Größe eines Smartphone-Screens zur Verfügung. Und wenn man sich nun anschaut, wie viel Symbolik und Bedeutung und Storytelling jede Karte mitbringt, ist das eine ganz schöne Herausforderung.

Okay. Hochkomplexes Projekt, geiles Thema, gestalterische Challenge, beginnende völlige Überforderung. Völliger Wahnsinn.*

Genau das will ich als Thesis machen!

* Foreshadowing nennt man das glaube ich..

Wie groß die Herausforderung und die Überforderung tatsächlich werden, konnte ich zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht ahnen … Die erste Herausforderung war, einen Prof zu finden, der die Arbeit betreut. Dazu muss ein Exposé, eigentlich mit zwei Themenvorschlägen, eingereicht und im ersten »Ticket« besprochen werden. Ich hab nur einen Themenvorschlag eingereicht.

Und in der nächsten Episode (unten auf der Originalseite gibt’s eine kleine Preview) schauen wir uns an, was mein Professor dazu zu sagen hat. Man darf ja nicht vergessen, dass das Ganze immer noch ne Bachelorarbeit ist.

Doku-Seiten

Die Systematik des Tarot
8
Tarot 1-0-1
9
Stay up to date!

Subscribe to the newsletter:

Leave a Reply

WordPress Cookie Plugin by Real Cookie Banner