Die Bachelorarbeit ist bestanden, die Website ist gecrasht, die Veröffentlichung steht bevor. Zeit für einen zweiten Prolog/Epilog/Prepilog, bevor es mit dem Tagebuch so richtig losgeht. (Oder ich einen dritten Prepilog schreibe, um mich weiter zu drücken.)

WAS BISHER GESCHAH

Drei Monate sind seit dem Prolog von neulich vergangen. Die nächsten beiden Episoden hatte ich schon geschrieben und sogar vertont … Dann musste ich erst mal die Bude putzen und alles auf Links drehen und dann kam die Einladung zum Kolloquium.

Shit.

Plötzlich fiel mir ein, dass ich noch zwei Uni-Module abzuschließen habe und besagtes Kolloquium in vierzehn Tagen vorbereiten muss – und alle Blog- und Podcastpläne mussten warten. Ach ja, und meine Website war auch noch gecrasht. Schön.

So langsam laufe ich wieder einigermaßen in der Spur.* Das Kolloquium hab ich mit einem Puls von 154 überlebt und damit die Bachelorarbeit bestanden (sehr gut sogar) und mein Studium abgeschlossen (ebenfalls sehr gut sogar). Bachelor of Arts Kommunikationsdesign: Done.

Und jetzt steht die Veröffentlichung an.

Tatsächlich.

Ich zieh das durch.

Dazu braucht es natürlich erst mal eine neue Website, deren Konzeption mich in den Wahnsinn treibt. Wenn sie live ist, wird dieser Blogartikel irgendwo zwischen dem Prolog von neulich (also von vor drei Monaten) und den eigentlichen Bloginhalten (also der Doku der Bachelorarbeit) erscheinen. Das alles ist wahnsinnig komplex und macht mich fertig.

* Nope. Eigentlich nicht.

Hier geht’s zur Hörbuch-Episode:

Es gibt eine unzensierte Welt Behind the Scenes.

Die eigentliche Doku hatte ja den Vorteil, dass meine Professoren sie lesen mussten, die werden ja dafür bezahlt. Außerdem hat sie chronologisch Sinn ergeben. Ein Buch (oder PDF), das man einfach von vorne nach hinten durchblättert.

Die Online-Veröffentlichung ist was ganz anderes. Erstens mal muss niemand da draußen mein Geschwafel lesen. Zweitens will niemand online 300 Seiten Fließtext lesen.

Und es ist alles so erklärungsbedürftig! Und ich kann so vieles nicht erklären.

Ich brüte über einem Intro-Artikel, in dem der Leser/Hörer sachte und verständlich an das Thema des Blogs/Podcasts herangeführt wird. Und es kommt nichts dabei rum. Also schreibe ich stattdessen diesen Artikel. Ganz im Sinne der Doku, in der mich das Schreiben während des Projekts auch immer wieder geerdet hat. Die Doku war mein Anker, mein Zuhause, der Ort, an dem ich meine Gedanken sortieren und eine neue Welt erschaffen konnte.

Und irgendwo in der Website-Konzeption habe ich entschieden, dass ich die Doku komplett veröffentliche. Nicht nur die Narrengeschichte oder ausgewählte Teile, wie es vorher mal angedacht war. Ohne die Doku ist das Kreativ-Tarot nicht komplett.

Das ist ein großer Schritt, denn sie ist viel mehr als die »technische Dokumentation«, die für die praktische Bachelorarbeit gefordert ist. Sie ist wirklich ein Tagebuch. Etwas erschreckend persönliches. Da stehen Dinge drin, die ich nie jemandem erzählt habe. Und bisher hat sie außer meinen Professoren niemand gelesen.

Sie ist kein fertiges Projekt oder Buch, nicht das Endergebnis eines kreativen Prozesses – das ist das, was wir sonst eigentlich sehen: ein fertiges Bild, ein geschriebenes Buch, ein Endprodukt, irgendein Erfolg. Manchmal, wenn wir Glück haben, bekommen wir Einblicke in die Prozesse selbst, dürfen einen Blick Behind the Scenes werfen. Manchmal sogar einen ehrlichen, doch für gewöhnlich einen zensierten.

Die Doku, das Tagebuch eines Narrenprojekts, ist anders. Sie ist kein Blick Behind the Scenes, sie ist die ganze Welt Behind the Scenes. Sie ist unzensiert. Ich habe nachträglich so gut wie nichts geändert, gestrichen oder hinzugefügt. Nur als nervige Fußnoten und dämliche Kommentare. Der eigentliche Inhalt ist roh. Mit allen wirren Gedanken, Irrtümern, Höhenflügen und Vollkatastrophen. Sie ist ehrlich, echt. Sowas findet man selten.

Ich habe keine Ahnung, ob sie irgendwen interessiert. Wie gesagt, meine Professoren waren ja gezwungen, sie zu lesen. Alle anderen Menschen auf der Erde sind das nicht. Und ich kann nicht mal ein catchy Intro schreiben, um potenziellen Lesern zu erklären, worum es eigentlich geht.

Es geht um eine Bachelorarbeit im Design.
Es geht um Kreativität.
Es geht um das Tarot.
Es geht um Spielkarten.
Es geht um Design.
Es geht um Illustration.
Es geht ums Geschichten schreiben.
Es geht um Psychologie oder so.
Es geht darum, die Welt zu verstehen.

Interessiert das irgendwen? Gibt es dafür einen Markt? Noch dazu in meinem fragwürdigen Schreibstil?

Ich weiß es nicht. Ich kann es nur rausfinden, indem ich es ausprobiere. Hässlich.

Obey.

Ich will die Doku im Grunde nicht veröffentlichen. Sie ist zu persönlich, zu krass. Ich will nicht mal die Narrengeschichte veröffentlichen. Bei den letzten Kapiteln kommen mir ungelogen die Tränen. Auch beim Lesen der Doku bin ich an manchen Stellen einfach nur erschlagen, überwältigt.

Wahrscheinlich leide ich nach dem Projekt an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Und ich kann verstehen, dass niemand das verstehen kann.

Das Projekt hat mich verändert. Ich kann es nicht beschreiben, es klingt so abgehoben.
Es hat meine Weltsicht verändert.
Es hat meine Interessen verändert.
Es hat natürlich meine Einstellung zur Kreativität verändert. Auf einer allgemeinen Ebene ebenso wie auf einer persönlichen.
Es hat sogar meine Hobbys, meine Inneneinrichtung und meine Urlaubsplanung verändert.
Es hat mein ganzes Leben auseinandergenommen und mich neu zusammengesetzt.

Klingt schrecklich abgehoben, oder?
Ist aber wahr.

Wenn ich das Projekt jetzt in irgendeiner Schublade, digital oder analog, verrotten lasse, war die ganze Arbeit umsonst. Das geht nicht. Ich habe das Projekt mit einer Mission begonnen – und die ist erst erfüllt, wenn es veröffentlicht ist.
Komplett.

Manchmal gibt es nur einen einzigen Weg.

Also, Mädel, kratz deinen Mut zusammen, bastel die Website, schreib dein dämliches Intro, das eh keiner liest, und schick das Ding raus in die Welt. Anders geht es nicht.
Obey.

ENDSPURT!

Ich hatte diesen Beitrag auf den 7. Juni datiert, das wird ungefähr hinkommen. Heute ist der 24. Juli, sieben Wochen sind irgendwo verpufft.

Aber … die Website ist fast fertig. Vieles habe ich vorerst rausgenommen, um überhaupt erstmal irgendwo anzufangen und mich nicht in zermürbender, perfektionistischer Prokrastibastelei zu verlieren (Brauchen wir hier 5 oder 10 Pixel Abstand? Soll die Parallaxe subtil oder regulär sein? Warum zur Hölle funktioniert die Animation von Hawkings Outro nicht???). Ist unterm Strich alles wurscht. Die wesentlichen Inhalte sind da, es sieht alles ganz gut aus (Wirklich? Ist das zu fancy? Nicht fancy genug? Sollten die Blogbilder nicht lieber 4:3 statt 1:1 haben? Sollte die Parallaxe nicht vielleicht doch etwas subtiler sein? Und der Hintergrund doch eher #0a0a0a statt #000000? Shut the f*ck up! Es ist gut genug!).

Also, es sieht alles ganz gut aus, sogar die Übersetzung ist mittlerweile rudimentär vorhanden, die meisten Verlinkungen sind geprüft, wir sind bereit.

Das »Wir« erkläre ich besser in einem separaten Artikel (genau, ein dritter Prolog. Nicht, dass ich mich hier vor irgendwas drücken würde oder so …), aber ich schwöre beim Puppenspieler, dass die Website und die ersten Artikel diese Woche noch live gehen.

Es ist Donnerstagmorgen, 9.01 Uhr. Tick-tack …

Lass doch mal einen Kommentar da, wie das bei dir vielleicht mit der perfektionistischen Prokrastibastelei ist. 😉

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